Wolfgang Schaper

* 1895 Berlin
† 1930 Berlin

Friedrich Emil Wolfgang Schaper (1895–1930) wurde in Berlin als Sohn des Bildhauers Fritz Schaper geboren und wuchs im Umfeld der Berliner Bildhauerschule auf. Zunächst plante er eine Ingenieurslaufbahn, meldete sich jedoch im Ersten Weltkrieg freiwillig zum Militär. Eine schwere Verwundung an der Westfront führte zur Amputation eines Beins und zwang ihn, seine beruflichen Pläne grundlegend zu ändern. Seit 1916 studierte er an der Berliner Akademie der Künste, zunächst Malerei bei Erich Wolfsfeld und später Bildhauerei in der Klasse von Gerhard Janensch. In den 1920er Jahren lebte und arbeitete Schaper überwiegend in Berlin und im bayerischen Starnberg.

In dieser Zeit entwickelte er sich zu einem eigenständigen Bildhauer, dessen Werk zwischen klassischer Formauffassung und der Sachlichkeit der Moderne vermittelt. Bekannt wurde er vor allem durch dynamische Sportdarstellungen – Läufer, Tennisspieler und Werferfiguren –, in denen er Bewegungsabläufe, Körperspannung und athletische Ideale der Zeit verdichtete. Sein 1927 entstandener „Diskuswerfer“, der heute in der Nähe des Berliner Olympiastadions steht, gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten. 1928 war Schaper mit plastischen Werken an den Kunstwettbewerben der Olympischen Spiele beteiligt.

Neben den Sportfiguren schuf Schaper Porträtbüsten und freie plastische Kompositionen. Die Bronzeplastik „Lebensfreude“, an der er bis zu seinem frühen Tod arbeitete, fasst viele dieser Motive zusammen: ein unbekleidetes junges Paar, das sich an den Händen hält und in gespannter Vorwärtsbewegung gezeigt ist. Nach Schapers Tod 1930 wurde die Plastik von seiner Schwester, der Bildhauerin Dorothea Schaper-Barthels, nach seinen Modellen vollendet und im selben Jahr im Schloss Bellevue im Rahmen einer Wolfgang-Schaper-Gedächtnisschau gezeigt.

Für die Kunstgießerei Lauchhammer besitzt „Lebensfreude“ besondere Bedeutung. 1935 erwarb die Gießerei das große Gipsmodell aus dem Nachlass; 1938 wurde die Bronze in zwei Größen, 38 und 80 Zentimeter, im Bildgusskatalog geführt. Bis 1948 sind mehrere Bronzen und ein Eisenguss der kleineren Ausführung dokumentiert. Heute bewahrt das Kunstgussmuseum Lauchhammer das Gipsmodell und ein fragmentarisches Metallmodell der Gruppe, während aktuelle Abgüsse der Bronzeplastik die Tradition dieses Werks im zeitgenössischen Kunstguss fortsetzen.